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Kindle unter der MacMacken-Lupe

von M. Steiger | 26. Oktober 2011

In den letzten Wochen konnte ich den neuen E-Paper-Kindle mit 6″-Bildschirm* ausgiebig ausprobieren. Nachfolgend einige summarische Bemerkungen zu meinen Eindrücken – Ergänzungen in Kommentarform sind wie immer erwünscht.

Erfreulich am Kindle ist in erster Linie das Lesen von nicht oder kaum formatierten Texten. Sofern Beleuchtung vorhanden ist – gerade auch direktes Sonnenlicht – ist das Lesen sehr angenehm und schon nach wenigen Seiten stellt sich ein Lesegefühl wie bei einem gedruckten Buch ein. Relevanter Batterieverbrauch ist dabei nicht festzustellen, so dass man einen E-Paper-Kindle wohl nie gezielt aufladen muss. Dank kompakter Grösse und geringem Gewicht (170 Gramm, kleiner als ein C5-Briefumschlag) kann man den Kindle problemlos als ständigen Begleiter nutzen, auch in der Jacken-Innentasche. Da der Kindle über keine wesentlichen Funktionen als der Anzeige von Text per E-Paper verfügt, konzentriert man sich zwangsläufig auf das Lesen und erliegt keinen Ablenkungen direkt auf dem Gerät. Die Bildschirmgrösse ist für nicht oder kaum formatierte Texte völlig ausreichend.

Verbesserungswürdig ist die Verarbeitung des Gerätes: Die Qualität ist zwar ordentlich und das Gerät robust genug, im Vergleich zu Apple-Geräten wirkt der Plastik aber billig und insbesondere die Tasten zum Blättern halten hoffentlich länger durch als der haptische Eindruck vermuten lässt. Eigene E-Books und sonstige Dokumente kann man per USB-Kabel oder mittels E-Mail auf den Kindle übertragen (lassen), eine Software wie iTunes ist nicht vorhanden und eine Synchronisation zwischen Computer und Kindle mittels WLAN nicht vorgesehen (wobei 5 GHz-WLAN sowieso nicht unterstützt wird). Text, der etwas komplexer formatiert ist oder gar als PDF daherkommt, kann man auf dem Kindle häufig nicht sinnvoll lesen. Aktualisierungen der Kindle-Software erfolgen nicht automatisch, sondern müssen vom Benutzer manuell vorgenommen werden. Der Kindle ist – um einen Apple-Ausdruck zu verwenden – nicht «PC Free». Die Kindle-Nutzung ist in fast allen Aspekten statisch: So kann man beispielsweise neue bei Instapaper gespeicherte Artikel abonnieren und lesen, aber der Lesestatus wird bei Instapaper nicht aktualisiert. Einfaches Teilen von gelesenen Texten ist ebenfalls nicht vorgesehen.

Enttäuschend ist vor allem die fehlende Cloud-Synchronisation von eigenen Texten auf dem Kindle; es besteht lediglich die Möglichkeit, bei Amazon gekaufte Inhalte auf verschiedenen Kindle-Geräten sowie mit der Kindle-Software auf verschiedenen Plattformen abzurufen. E-Books, die man anderswo kauft und manuell auf dem Kindle speichert, werden nicht synchronisiert, und alternative Plattformen zur Synchronisation stehen nicht zur Verfügung. Das populäre EPUB-Format wird nicht unterstützt, sondern muss mit gewöhnungsbedürftiger Software wie Calibre konvertiert werden. Die Bildschirm-Tastatur, die mittels Steuerkreuz genutzt werden muss, ist weitgehend unbrauchbar, muss aber glücklicherweise kaum verwendet werden und für die simple Benutzeroberflächen genügen Steuerkreuz sowie Blättertasten.

Im Ergebnis zählt, wofür der Kindle verkauft wird: Lesen und zwar möglichst nahe an einem gedruckten Buch. Dafür ist der Kindle, vor allem beim heutigen Preis, äusserst empfehlenswert. Man begibt sich zwar in Abhängigkeit von Amazon, kann seine E-Books aber immerhin auf allen gängigen Plattformen lesen. und anders als bei iBooks von Apple nicht bloss auf iOS-Geräten. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht im Wesentlichen, dass eigene Texte ebenfalls synchronisiert werden könnten.

Etwaige Fragen zum E-Paper-Kindle beantworte ich gerne über die Kommentarfunktion.

Bei Amazon.de ist der E-Paper-Kindle für 99 Euro verfügbar* (rund 120 Franken). Amazon.de liefert den Kindle leider nicht in die Schweiz, doch ist das Gerät für Schweizer via Amazon.com für 109 Dollar erhältlich* (mit Versand und schweizerischer Mehrwertsteuer ergibt sich ein Gesamtpreis von rund 140 Dollar, das heisst etwas weniger als 125 Franken).

Partner-Weblinks bei MacMacken sind mit * gekennzeichnet.

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18 Kommentare

  1. Zwei Anmerkungen: Erstens ist eine Software sehr wohl vorhanden. Die Kindle App gibt es ja nicht nur für Smartphones und Tablets, sondern auch für Windows und Mac OS. Und zweitens finde ich die Verarbeitung der Kindles hochwertig genug. Klar legt Apple da immer einen mehr drauf, aber dafür zahlt man für diese Verarbeitung auch übertriebene Preise. Im Preisleistungsverhältnis ist Amazon imo deutlich weiter vorne.

    • @Moritz:

      Zwei Anmerkungen: Erstens ist eine Software sehr wohl vorhanden. Die Kindle App gibt es ja nicht nur für Smartphones und Tablets, sondern auch für Windows und Mac OS.

      Es gibt eine Kindle-Software, aber eben keine Software wie iTunes – mit der Kindle-Software kann man bei Amazon gekaufte Texte lesen, nicht mehr, nicht weniger. Es ist aber anders als in iTunes für iOS-Geräte nicht möglich, Kindle-Geräte zu konfigurieren oder eigene Texte zu synchronisieren.

      • Stellt sich die Frage, ob das in diesem Fall überhaupt sinnvoll wäre. Ich habe 40 Bücher auf dem Kindle und 3000 Lieder auf dem iPod. 40 Bücher per Hand zu ordnen/synchronisieren bringt mich nicht um :)

    • Du vergisst dabei, dass Amazon mit jedem Gerät Verluste macht. So kann ich dann auch billiger sein. Aber eben nicht auf Dauer. Seriöses Wirtschaften sieht anders aus. Das Konzept funktioniert nur, wenn der Konsument die Subventionen über einen Mehrpreis bei den Inhalten wieder einspielt. Und dann ist das Amazon-Tablet auf einmal nicht mehr billiger.

  2. Hatte den Kindle 4 jetzt auch da. Ich war sehr angetan vom dem Gewicht und dem scharfen Schriftbild. Aber irgendwie war es mir dann doch zu klein. Nein, nicht die Schrift, eher das gesamte Display. Wenn man bisher als digitales Lesegerät eher das iPad gewöhnt ist, hat man das Gefühl, man kann doch direkt auf dem Smartphone mit Kindle App lesen ;o)

    Auch wenn es Äpfel mit Birnen ist, würde ich mir lieber für 279,- ein refurbished iPad 1 zulegen.

    • Da scheiden sich die Geister. Für mich wiegt das E-Ink-Display alle Nachteile auf und verschafft dem Gerät auch einen Vorteil dem IPad gegenüber (natürlich nur unter dem Vorzeichen Lesegerät). Dementsprechend wäre mein Traumgerät schlicht ein Kindle in IPad-Größe, das die Lektüre zitierfähiger PDFs ermöglicht.

      (Mit dem Update auf Version 3.3. kann das Kindle doch jetzt auch private Dokumente synchronisieren. Die müssten allerdings per E-Mail ins System eingespeist werden.)

  3. Was taugt denn so ein Kindle als Newsreader z.B. via Instapaper?

    Für mich wäre ein Killerfeature das Lesen von PDFs. Leider braucht man dazu 10″ Geräte, die es nicht so oft gibt und dann auch recht teuer sind.

    • Was taugt denn so ein Kindle als Newsreader z.B. via Instapaper?

      Instapaper bietet die Möglichkeit, täglich bis zu 20 zuletzt gespeicherte Texte auf den Kindle zu senden. Liegen die Texte als Volltext vor und sind sie nicht allzu aufwendig formatiert, ist das Lesen längerer Texte auf diesem Weg sehr komfortabel. Nachteilig ist, dass man so gelesene Texte nicht teilen, «liken» und so weiter kann. Ebenso wird der Lesestatus nicht mit Instapaper synchronisiert.

    • Mein Traumgerät könnte PDF 1:1, also DIN A4 anzeigen. Dabei gäbe es die Option mit einem Display in voller A4-größe oder nur der Breite (also pro A4-Seite Ca. 3x scrollen). Damit könnte ich meinen Papierverbrauch schonmal drastisch senken (Ca. 3000-5000 Seiten pro Jahr spuckt mein Drucker aus).
      Um die Vorteile eines digitalen Gerätes voll auszuschöpfen, müsste man noch Tastatur- und Stifteingabe sinnvoll integrieren. Also Textstellen markieren, direkt etwas auf das digitale Papier kritzeln und für ausführliche Anmerkungen eine Kommentarfunktion mit einer guten Kombination aus Stift- und Tastatureingabe (per Tastatur schreibe ich viel schneller und natürlich leserlicher). Diese Kombi aus Stift- und Tastatureingabe könnte auch den guten alten Collegeblock weitgehend ablösen. Dort wird vor allem geschrieben und gekritzelt. Das wäre mal ein Arbeitsgerät… traumhaft. Ist das eine so ungewöhnliche Anforderung? Eine brauchbare Lösung habe ich bisher noch nicht gesehen, obwohl es technisch nicht so furchtbar schwer sein sollte.
      Aber vielleicht sollte ich diesen Text lieber an jemand anderes schicken :D
      Der Kindle ist 100% auf das Lesen von Büchern (>99% Text) abgestimmt. Ich denke, für etwas anderes ist er kaum zu gebrauchen.

      • Der Kindle ist 100% auf das Lesen von Büchern (>99% Text) abgestimmt. Ich denke, für etwas anderes ist er kaum zu gebrauchen.

        Genau – und darin sehen die meisten E-Paper-Kindle-Benutzer den grossen Vorteil dieses Gerätes.

  4. Hallo zusammen

    Ich habe gerade die sehr interessante und erhellende Beurteilung zum neuen Kindle gelesen. Tatsächlich habe ich ein solches Gerät aus den USA mitgebracht, als Geschenk für einen Freund. da ich noch nie mit Kindle gewirtschaftet habe, folgende Frage: Wie sieht es mit dem Netz/Ladegerät aus? Muss man ein EU-Gerät bei Amazon bestellen oder kann man den Kindle über USB laden?

    Ich persönlich bin übrigens eher die iPad-Userin, ich will erstens ein schönes Gerät haben, wenn ich täglich 14 Stunden und mehr damit arbeite, zweitens brauche ich mehr Funktionen. Ich lese und bearbeite inzwischen alle meine Texte, die ich für meine Arbeit an der Uni brauche, auf dem iPad.

    Vielen Dank für Eure Antworten,

    Barbara

    • Mein Kindle 3 hat einen Micro-USB Stecker für Synchronisation und Batterie-Aufladen.
      Ich lade daher meinen Kindle 3 entweder via
      – USB am PC (mitgeliefertes Kabel)
      – via dem mitgelieferten Kabel an USB Netzstecker-Adapter (den ich auch für iPod/iPhone) verwende
      - oder via Nokia N900 Netzteil mit Micro-USB Kabel

      Was man nicht vergessen darf, wenn man schon mit dem iPad vergleichen muss: Ein voll geladenes E-Ink Kindle hält mehrere Wochen (!) durch. Ich lade meins höchstens einmal im Monat (lese allerdings aber auch nicht jeden Tag).

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